Science in Society Laboratories

Seminar/Übung (10 ECTS, 3 SWS)

Ulrike Felt
Maximilian Fochler

Andrea Schikowitz

Haben Sie Interesse, die Dynamik von öffentlichen Kontroversen zu wissenschaftlich-technischen Themen zu verstehen? Möchten Sie in einem interdisziplinären Umfeld erlernen, diese zu analysieren? Und wie sieht es mit Fähigkeiten aus, sich in Auseinandersetzungen zu engagieren, bei denen es sowohl um wissenschaftliches Wissen als auch um gesellschaftliche Werte geht?

Worum geht es in dieser Lehrveranstaltung?

Wissenschaftliches Wissen und neue Technologien verändern unsere Gesellschaft. Einerseits eröffnen sie neue Möglichkeiten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Andererseits werfen sie vielfach auch Fragen auf, die gesellschaftlich diskutiert, entschieden und reguliert werden müssen. Wissenschaftler*innen, egal welcher disziplinärer Verortung, sollten in der Lage sein, sich kompetent an diesen Diskussionen zu beteiligen.

Zugleich gibt es heute kaum eine gesellschaftliche Debatte oder politische Entscheidungsfindung, die ohne die Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise abläuft. Dabei sollen wissenschaftliche Erkenntnisse Orientierung bieten und zu besseren Lösungen führen. Gerade bei kontroversen Themen ist allerdings oft strittig, was als relevantes und sicheres Wissen gelten kann, welche gesellschaftlichen Werte berücksichtigt werden sollten und in welcher Weise all dies in realpolitische Entscheidungen einfließen sollte.

Lernziel der Lehrveranstaltung ist, die Fähigkeit zu erwerben, die Positionen in kontroversen gesellschaftlichen Debatten zu identifizieren, ihre Beziehung zu wissenschaftlicher Expertise systematisch zu analysieren und auf dieser Basis Empfehlungen auszusprechen. Dies ist in vielen Bereichen des heutigen Arbeitsmarktes (Bsp. Politikberatung, Wissenschaftskommunikation, uvm.) eine überaus wertvolle Qualifikation.

Herstellung von ‘Gene-Drive Moskitos’ zur Bekämpfung von Malaria

Mithilfe neuer genetische Techniken können ganze Populationen verhältnismäßig rasch und einfach genetisch verändert werden. Das eröffnet die Möglichkeit, Krankheiten wie Malaria zu bekämpfen, indem Moskitos unfruchtbar oder unanfällig gegenüber dem Malaria-Parasiten gemacht werden. Unintendierte und möglicherweise irreversible Effekte auf Ökosysteme, sowie Sicherheitsrisiken und Möglichkeiten der Kontrolle und Regulation solcher Maßnahmen sind Gegenstand von Debatten.

 

 

Suche nach und Einrichtung von Atommüll-Endlagern

Zur Zeit befindet sich radioaktiver Müll aus Atomkraftwerken, aber auch aus Forschung und medizinischer Verwendung, in Zwischenlagern. Um sogenannte Endlager-Stätten zu finden und einzurichten müssen verschiedene technische, geologische, soziale und politische Faktoren berücksichtigt werden. Die Eignung und die Risiken unterschiedlicher Lagerweisen und unterschiedlicher Standorte werden kontrovers diskutiert.

 

 

Herbizid Glyphosat - Roundup

Glyphosat ist eines der meistgenutzten Herbizide, welches in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von "Unkraut" eingesetzt wird. Beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen mit Glyphosatresistenz wird der Wirkstoff außerhalb der EU verwendet, um konkurrierendes "Unkraut" zu vernichten. Seine gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen werden kontrovers diskutiert.

Bienensterben

Seit Mitte der 2000er Jahre beobachten Imker*innen weltweit eine neue dramatische Form des Bienensterbens (Colony Collapse Disorder). Unüblich starke Winterverluste und das ungeklärte Verschwinden von Arbeiterbienen verringern die Bienenpopulation in vielen Ländern. Gründe, Verursacher und Konsequenzen dieses Phänomens stehen im Zentrum einer heftigen Debatte.

 

 

Wie läuft die Veranstaltung ab?

Die Studierenden erlernen in kleinen, interdisziplinär zusammengesetzten Gruppen, eine aktuelle Debatte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft systematisch aufzuarbeiten. Die Studierenden erlernen schrittweise in enger Interaktion mit den Lehrenden Zugänge und Werkzeuge zur Analyse von Debatten, wenden sie auf die jeweilige konkrete Debatte an und erhalten dazu Feedback.

Sie recherchieren Dokumente, identifizieren Positionen und führen Interviews mit Expert*innen. Sie lernen, ihre Analyseergebnisse in verschiedenen Formaten aufzubereiten, zu präsentieren und zu diskutieren. Angenommenes Ziel dabei ist, politische Entscheidungsträger*innen zu beraten und sie dabei zu unterstützen, die Verknüpfung von Wertepositionen und wissenschaftlicher Expertise in einer Debatte besser zu verstehen.

In dieser Lehrveranstaltung werden wir in drei Gruppen die Debatten rund um das Herbizit Glyphosat, um den Einsatz von Gene-Drive Techniken zur Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria und um die Suche und Einrichtung von Atommüll-Endlagern bearbeiten. Diese Fallbeispiele sind quasi "das Labor", in dem die Studierenden das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft untersuchen. Das Colony Collapse Disorder Fallbeispiel (Bienensterben) wird von den Lehrenden verwendet, um das Herangehen an ein konkretes Problem praktisch aufzuzeigen.

Eine Unterstützung durch eine Tutorin ist gewährleistet und in den Ablauf des Semesters integriert.

Die Unterrichtssprache ist Englisch.

 

 

Was können Studierende in dieser Veranstaltung lernen?

  • Konzepte & Werkzeuge, um das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft zu analysieren
  • Das Umsetzen der erworbenen Fähigkeiten in der Bearbeitung von konkreten Debatten an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft
  • Techniken zur Recherche, sowie zur Beurteilung & Aufbereitung von Informationen
  • Denken und Zusammenarbeiten in interdisziplinären Zusammenhängen
  • Die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen disziplinären Perspektive
  • Die Fähigkeit, hinter den Kontroversen liegende Wertespektren sowie die daraus resultierenden Verantwortungszusammenhänge zu identifizieren

 

 

Für welche Studienrichtungen kann die Veranstaltung absolviert werden?

Die Lehrveranstaltung kann für folgende Studienrichtungen absolviert werden:

  • Im Masterstudium Chemie kann diese Lehrveranstaltung in der Modulgruppe "Fachverbreiterung und Ergänzungsstudien“ eingebracht werden. Im Masterstudium Biologische Chemie kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul Fachverbreiterung“ eingebracht werden. Im Masterstudium Chemie und Technologie der Materialien kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul“ eingebracht werden. Bei allfälligen Rückfragen zu diesen drei Masterstudien der SPL 27 wenden Sie sich bitte an die Studienprogrammleitung (Lothar Brecker).
  • Im Masterstudium Internationale Entwicklung kann diese Lehrveranstaltung im Vertiefungsmodul 9 (VM9) eingebracht werden.
  • Im englischsprachigen Masterstudium Environmental Sciences ist die Lehrveranstaltung im Rahmen der 30 ECTS der "free choice courses" anrechenbar.
  • Im Masterstudium Erdwissenschaften sind 10 ECTS im Modul "Individuelle Vertiefung" (MA-ERD-17.0) anrechenbar.
  • Im Masterstudium Ernährungswissenschaften sind die 10 ECTS in den Modulen 9 und 10 (Praktische Erfahrungen I und II) für Internship und Guided Courses I und II sowie Praxis I und II absolvierbar. Abweichende Anrechnungen müssen vorab mit der SPL abgesprochen werden.
  • In den 3 molekularbiologisch orientierten Masterstudiengängen (Molekulare Biologie; Molekulare Mikrobiologie, Mikrobielle Ökologie und Immunbiologie; Genetik und Entwicklungsbiologie) können die 10 ECTS Punkte im Modul „Wissenschaftliche Zusatzqualifikationen für Biologen/Innen“ (=WZB) ohne Rückfragen an den SPL absolviert werden. Darüber hinaus sollte bei der SPL angefragt werden.
  • Im Diplomstudium Pharmazie ist die Lehrveranstaltung im Rahmen der "freien Wahlfächer" absolvierbar.
  • Im Curriculum des Masterstudiums Physik können die 10 ECTS im Wahlmodul "Interessen" absolviert werden.
  • Im Masterstudium Politikwissenschaft kann die Lehrveranstaltung im "M12 Wahlbereich" angerechnet werden.
  • Im Magisterstudium bzw. Masterstudium Publizistik und Kommunikationswissenschaft sind die 10 ECTS im Rahmen der "Freien Wahlfächer" bzw. im Rahmen des Moduls "Individuelle Vertiefung" zu absolvieren.
  • Für das Masterstudium Kultur- und Sozialanthropologie wird die Anrechenbarkeit im Detail derzeit mit dem SPL abgesprochen.
  • Für das Masterstudium der Soziologie ist die Lehrveranstaltung im Modul: MA F - Forschungsspezialisierung: 'Wissenschaftsforschung', oder MA F - Forschungsspezialisierung: 'Kultur und Gesellschaft' anrechenbar.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an die entsprechende Studienprogrammleitung.

 

 

Wie werden die Studierenden beurteilt?

Lektüre von Texten, aktive Mitarbeit in den Unterrichtseinheiten20%Individuell bewertet
Erarbeiten und Dokumentation einer Debatte in der Gruppe, anhand von einzelnen Arbeitsaufträgen 45%als Gruppenarbeit bewertet
Verfassen eines Beitrags für eine breitere Öffentlichkeit 20%Individuell bewertet
Führen eines Forschungstagebuchs 15% Individuell bewertet

Es besteht Anwesenheitspflicht in allen Lehrveranstaltungseinheiten sowie in den Pflichttutorien.
Die Benotung der Lehrveranstaltung erfolgt auf Grundlage der getrennten Bewertung der verschiedenen Aufgaben auf einer Skala von 1-5.

 

 

Wann und wo findet die Veranstaltung statt?

Ort:
Seminarraum und Bibliothek des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung
NIG, Universitätsstrasse 7, 1010 Wien
Stiege II, 6. Stock, Raum C0602

Zeiten:

Vorbesprechung: 02.03.2018  14.00 - 16.00 Uhr (Seminarraum)
Seminar/Übung: 09.03.2018 14.00-18.00 Uhr, 13.04.2018 14.00-18.00 Uhr, 27.04.2018 14.00-18.00 Uhr, 18.05.2018 14.00-17.00 Uhr, 25.05.2018 14.00-18.00, 08.06.2018 14.00-17.00, 15.06.2018 14.00-18.00, 29.06.2018 14.00-18.00
Tutorium: 23.03.2018 14.00-18.00 Uhr, 20.04.2018 14.00-16.00 Uhr

 

 

Wie viele Plätze gibt es und wie kann man sich anmelden?

Die Anzahl der teilnehmenden Studierenden ist auf 15 begrenzt. Es wird eine Warteliste erstellt.

Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an sis.labs@univie.ac.at bis 28. Februar 2018. Bitte geben Sie in der Anmeldung folgende Details bekannt:

  • Name
  • Matrikelnummer
  • Masterstudium
  • Begründung des Interesses an der Teilnahme in max. 250 Worten
  • Information über Fall-Präferenz (Gene-Drive Moskitos, Atommüll-Endlager, Glyphosat)