Science in Society Laboratories

Seminar/Übung (10 ECTS, 3 SWS)

Ulrike Felt
Maximilian Fochler

Susanne Öchsner

Haben Sie Interesse, die Dynamik von öffentlichen Kontroversen zu wissenschaftlich-technischen Themen zu verstehen? Möchten Sie in einem interdisziplinären Umfeld erlernen, diese zu analysieren? Und wie sieht es mit Fähigkeiten aus, sich in Auseinandersetzungen zu engagieren, bei denen es sowohl um wissenschaftliches Wissen als auch um gesellschaftliche Werte geht?

Worum geht es in dieser Lehrveranstaltung?

Wissenschaftliches Wissen und neue Technologien verändern unsere Gesellschaft. Einerseits eröffnen sie neue Möglichkeiten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Andererseits werfen sie vielfach auch Fragen auf, die gesellschaftlich diskutiert, entschieden und reguliert werden müssen. Wissenschaftler*innen, egal welcher disziplinärer Verortung, sollten in der Lage sein, sich kompetent an diesen Diskussionen zu beteiligen.

Zugleich gibt es heute kaum eine gesellschaftliche Debatte oder politische Entscheidungsfindung, die ohne die Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise abläuft. Dabei sollen wissenschaftliche Erkenntnisse Orientierung bieten und zu besseren Lösungen führen. Gerade bei kontroversen Themen ist allerdings oft strittig, was als relevantes und sicheres Wissen gelten kann, welche gesellschaftlichen Werte berücksichtigt werden sollten und in welcher Weise all dies in realpolitische Entscheidungen einfließen sollte.

Lernziel der Lehrveranstaltung ist, die Fähigkeit zu erwerben, die Positionen in kontroversen gesellschaftlichen Debatten zu identifizieren, ihre Beziehung zu wissenschaftlicher Expertise systematisch zu analysieren und auf dieser Basis Empfehlungen auszusprechen. Dies ist in vielen Bereichen des heutigen Arbeitsmarktes (Bsp. Politikberatung, Wissenschaftskommunikation, uvm.) eine überaus wertvolle Qualifikation.

Herbizid Glyphosat - Roundup

Glyphosat ist eines der meistgenutzten Herbizide, welches in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von "Unkraut" eingesetzt wird. Beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen mit Glyphosatresistenz wird der Wirkstoff außerhalb der EU verwendet, um konkurrierendes "Unkraut" zu vernichten. Seine gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen werden kontrovers diskutiert.

Mobilfunkstrahlung

Mobiltelefone, Sendemasten, aber auch WLAN Netzwerke setzen Menschen in neuer Form einer Belastung mit hochfrequenter Strahlung aus. Welche gesundheitlichen Auswirkungen dies hat und was das für die Nutzung von Mobiltelefonen und mobiler Kommunikation insgesamt bedeutet, wird kontrovers diskutiert.

Mikroplastik

Credit: Archipelagos Institute of Marine Conservation

Plastik ist ein zentraler Werkstoff unserer heutigen Gesellschaft. Mikroskopisch kleine Plastikpartikel, hergestellt oder durch Zerfall von größeren Plastikelementen entstanden, gelangen in noch kaum abschätzbaren Mengen in Luft und Wasser.  Ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt stehen daher derzeit im Fokus von Debatten.

Bienensterben

Seit Mitte der 2000er Jahre beobachten Imker*innen weltweit eine neue dramatische Form des Bienensterbens (Colony Collapse Disorder). Unüblich starke Winterverluste und das ungeklärte Verschwinden von Arbeiterbienen verringern die Bienenpopulation in vielen Ländern. Gründe, Verursacher und Konsequenzen dieses Phänomens stehen im Zentrum einer heftigen Debatte.

Wie läuft die Veranstaltung ab?

Die Studierenden erlernen in kleinen, interdisziplinär zusammengesetzten Gruppen, eine aktuelle Debatte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft systematisch aufzuarbeiten. Die Studierenden erlernen schrittweise in enger Interaktion mit den Lehrenden Zugänge und Werkzeuge zur Analyse von Debatten, wenden sie auf die jeweilige konkrete Debatte an und erhalten dazu Feedback.

Sie recherchieren Dokumente, identifizieren Positionen und führen Interviews mit Expert*innen. Sie lernen, ihre Analyseergebnisse in verschiedenen Formaten aufzubereiten, zu präsentieren und zu diskutieren. Angenommenes Ziel dabei ist, politische Entscheidungsträger*innen zu beraten und sie dabei zu unterstützen die Verknüpfung von Wertepositionen und wissenschaftlicher Expertise in einer Debatte besser zu verstehen.

In dieser Lehrveranstaltung werden wir in drei Gruppen die Debatten rund um das Herbizid Glyphosat (Roundup), um die gesundheitlichen Folgen von Mobilfunkstrahlung und um die Auswirkung von Mikroplastik auf Mensch und Umwelt bearbeiten. Diese Fallbeispiele sind quasi "das Labor", in dem die Studierenden das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft untersuchen. Das Colony Collapse Disorder Fallbeispiel (Bienensterben) wird von den Lehrenden verwendet, um das Herangehen an ein konkretes Problem praktisch aufzuzeigen.

Eine Unterstützung durch TutorInnen ist gewährleistet und ist in den Ablauf des Semesters integriert.

Die Unterrichtssprache ist Deutsch oder Englisch je nach Bedürfnis der Studierenden.

Was können Studierende in dieser Veranstaltung lernen?

  • Konzepte & Werkzeuge, um das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft zu analysieren
  • Das Umsetzen der erworbenen Fähigkeiten in der Bearbeitung von konkreten Debatten an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft
  • Techniken zur Recherche, sowie zur Beurteilung & Aufbereitung von Informationen
  • Denken und Zusammenarbeiten in interdisziplinären Zusammenhängen
  • Die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen disziplinären Perspektive
  • Die Fähigkeit, hinter den Kontroversen liegende Wertespektren sowie die daraus resultierenden Verantwortungszusammenhänge zu identifizieren

An welche Studierende richtet sich die Veranstaltung?

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Masterstudierende der folgenden Studienprogramme:

  • Chemie
  • Ernährungswissenschaften
  • Molekulare Biologie; Genetik und Entwicklungsbiologie; Molekulare Mikrobiologie, Mikrobielle Ökologie und Immunbiologie
  • Physik
  • Sozialwissenschaften: an alle Masterstudierenden der Fakultät, mit Ausnahme des Masterstudiums Science-Technology-Society

Für welche Studienrichtungen kann die Veranstaltung absolviert werden?

Die Lehrveranstaltung kann für folgende Studienrichtungen absolviert werden:

  • In den 3 molekularbiologisch orientierten Masterstudiengängen (Molekulare Biologie; Genetik und Entwicklungsbiologie; Molekulare Mikrobiologie, Mikrobielle Ökologie und Immunbiologie) können die 10 ECTS Punkte im Modul „Wissenschaftliche Zusatzqualifikationen für Biologen/Innen“ (=WZB) ohne Rückfragen an den SPL absolviert werden. Darüber hinaus sollte bei der SPL angefragt werden.
  • Im Masterstudium Ernährungswissenschaften sind die 10 ECTS in den Modulen 9 und 10 (Praktische Erfahrungen I und II) für Internship und Guided Courses I und II sowie Praxis I und II absolvierbar. Abweichende Anrechnungen müssen vorab mit der SPL abgesprochen werden.
  • Im Curriculum Masterstudium Physik können die 10 ECTS im Wahlmodul "Interessen" absolviert werden.
  • Im Masterstudium Chemie kann diese Lehrveranstaltung in der Modulgruppe "Fachverbreiterung und Ergänzungsstudien“ eingebracht werden. Im Masterstudium Biologische Chemie kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul Fachverbreiterung“ eingebracht werden. Im Masterstudium Chemie und Technologie der Materialien kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul“ eingebracht werden. Bei allfälligen Rückfragen zu diesen drei Masterstudien der SPL 27 wenden Sie sich bitte an die Studienprogrammleitung (Lothar Brecker).
  • Im Magisterstudium Publizistik und Kommunikationswissenschaft sind die 10 ECTS im Rahmen der "Freien Wahlfächer" anrechenbar. Im Masterstudium Publizistik und Kommunikationswissenschaft sind die 10 ECTS im Rahmen des Moduls "Individuelle Vertiefung" anrechenbar.
  • Für die Masterstudien der SPLs Soziologie, Politikwissenschaft und Kultur- und Sozialanthropologie wird die Anrechenbarkeit im Detail derzeit mit dem SPL abgesprochen.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an die entsprechende Studienprogrammleitung.

Wie werden die Studierenden beurteilt?

Lektüre von Texten, aktive Mitarbeit in den Unterrichtseinheiten20%Individuell bewertet
Erarbeiten und Dokumentation einer Debatte in der Gruppe, anhand von einzelnen Arbeitsaufträgen 45%als Gruppenarbeit bewertet
Verfassen eines Beitrags für eine breitere Öffentlichkeit 20%Individuell bewertet
Führen eines Forschungstagebuchs 15% Individuell bewertet

Es besteht Anwesenheitspflicht in allen Lehrveranstaltungseinheiten sowie in den Pflichttutorien.
Die Benotung der Lehrveranstaltung erfolgt auf Grundlage der getrennten Bewertung der verschiedenen Aufgaben auf einer Skala von 1-5.

Wann und wo findet die Veranstaltung statt?

Ort:
Seminarraum und Bibliothek des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung
NIG, Universitätsstrasse 7, 1010 Wien
Stiege II, 6. Stock, Raum C0602

Zeiten:

Gruppe 1:

Vorbesprechung:  6.10.2017, 14.00 Uhr (Seminarraum)
Seminar/Übung: 13.10., 27.10., 10.11., 24.11., 15.12., 12.1., 19.1., 26.1. 14:00-18.00 Uhr
Tutorium: 20.10. 14:00-15:30 Uhr, 3.11. 14:00-16:00 Uhr

Gruppe 2:

Vorbesprechung:  6.10.2017, 16.00 Uhr (Seminarraum)
Seminar/Übung: 13.10., 3.11., 17.11., 1.12., 15.12., 12.1., 19.1., 26.1. 14:00-18.00 Uhr
Tutorium: 20.10. 16:00-17:30 Uhr, 10.11. 14:00-16:00 Uhr

Wie viele Plätze gibt es und wie kann man sich anmelden?

Die Anzahl der teilnehmenden Studierenden ist auf 15 begrenzt. Es wird eine Warteliste erstellt.

Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an sis.labs@univie.ac.at bis 24. September 2017. Bitte geben Sie in der Anmeldung folgende Details bekannt:

  • Name
  • Matrikelnummer
  • Masterstudium
  • Begründung des Interesses an der Teilnahme in max. 250 Worten
  • Sprachpräferenz (Deutsch/Englisch)
  • Terminliche Präferenz für Gruppe 1 oder Gruppe 2

Die Auswahl der Teilnehmer*innen erfolgt durch die Lehrenden in Kooperation mit den beteiligten Studienprogrammleitungen. Bei Platzknappheit werden fortgeschrittene Masterstudierende bevorzugt aufgenommen.

Sie erhalten bis spätestens 2. Oktober 2017 Bescheid, ob Sie aufgenommen wurden.