Science in Society Laboratories

Seminar/Übung (10 ECTS, 3 SWS)

Andrea Schikowitz (LV-Leiterin)

Theresa Strohhammer

Haben Sie Interesse, die Dynamik von öffentlichen Kontroversen zu wissenschaftlich-technischen Themen zu verstehen? Möchten Sie in einem interdisziplinären Umfeld erlernen, diese zu analysieren? Und wie sieht es mit Fähigkeiten aus, sich in Auseinandersetzungen zu engagieren, bei denen es sowohl um wissenschaftliches Wissen als auch um gesellschaftliche Werte geht?

Worum geht es in dieser Lehrveranstaltung?

Wissenschaftliches Wissen und neue Technologien verändern unsere Gesellschaft. Einerseits eröffnen sie neue Möglichkeiten zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Andererseits werfen sie vielfach auch Fragen auf, die gesellschaftlich diskutiert, entschieden und reguliert werden müssen. Wissenschaftler*innen, egal welcher disziplinärer Verortung, sollten in der Lage sein, sich kompetent an diesen Diskussionen zu beteiligen.

Zugleich gibt es heute kaum eine gesellschaftliche Debatte oder politische Entscheidungsfindung, die ohne die Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise abläuft. Dabei sollen wissenschaftliche Erkenntnisse Orientierung bieten und zu besseren Lösungen führen. Gerade bei kontroversen Themen ist allerdings oft strittig, was als relevantes und sicheres Wissen gelten kann, welche gesellschaftlichen Werte berücksichtigt werden sollten und in welcher Weise all dies in realpolitische Entscheidungen einfließen sollte.

Lernziel der Lehrveranstaltung ist, die Fähigkeit zu erwerben, die Positionen in kontroversen gesellschaftlichen Debatten zu identifizieren, ihre Beziehung zu wissenschaftlicher Expertise systematisch zu analysieren und auf dieser Basis Empfehlungen auszusprechen. Dies ist in vielen Bereichen des heutigen Arbeitsmarktes (Bsp. Politikberatung, Wissenschaftskommunikation, uvm.) eine überaus wertvolle Qualifikation.

Beispielfall: Bienensterben

Seit Mitte der 2000er Jahre beobachten Imker*innen weltweit eine neue dramatische Form des Bienensterbens (Colony Collapse Disorder). Unüblich starke Winterverluste und das ungeklärte Verschwinden von Arbeiterbienen verringern die Bienenpopulation in vielen Ländern. Gründe, Verursacher und Konsequenzen dieses Phänomens stehen im Zentrum einer heftigen Debatte.

 

 

Herbizid Glyphosat

Gesundheitliche und Umweltauswirkungen von Glyphosat: Glyphosat ist eines der meistgenutzten Herbizide, welches in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von "Unkraut" eingesetzt wird. Beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen mit Glyphosatresistenz wird der Wirkstoff außerhalb der EU verwendet, um konkurrierendes "Unkraut" zu vernichten. Seine gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen werden kontrovers diskutiert.

Wasserstoff-Autos

Auf der Suche nach Alternativen zum Verbrennungsmotor wird auch der Wasserstoff-Antrieb diskutiert. Auf der einen Seite steht das Versprechen einer einfach herzustellenden und sauberen Energiequelle, auf der anderen Seite ein niedriger Wirkungsgrad, die hohen Kosten für die Produktion der Brennstoffzellen und den Aufbau einer noch nicht vorhandenen Infrastruktur sowie Sicherheitsbedenken. Unterschiedliche Prognosen zukünftiger technischer und verkehrspolitischer Entwicklungen, sowie unterschiedliche Annahmen und Messweisen bei der Berechnung der Energiebilanz führen zu unterschiedlichen Einschätzungen von Potenzialen und Nachteilen. Der umweltpolitische und ökonomische Nutzen von Wasserstoff-Autos in Vergleich mit anderen Antriebsformen wird kontrovers diskutiert.

Rolle von Kindern und Schulen in der CORONA-Pandemie

Die Rolle von Kindern für das Infektionsgeschehen in der CORONA-Pandemie und damit zusammenhängend der Nutzen und Schaden von Maßnahmen im Schulbereich – Mund-Nasen-Schutz, Klassenteilungen, Testungen, home schooling und Schulschließungen – wird kontrovers diskutiert. Studien und Expertisen, sowie national wie international unterschiedliche Strategien entwickeln sich in Wechselwirkung zueinander. Gesundheitliche, wirtschaft-liche, soziale und emotionale Auswirkungen müssen gegeneinander abgewogen werden. Und nicht zuletzt wird auch verhandelt, welche Gruppen als schützenswert gelten und wessen Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt werden sollen – das betrifft u.a. Kinder, Eltern, Großeltern, Arbeitgeber*innen und Pädagog*innen.

Wie läuft die Veranstaltung ab?

Die Studierenden erlernen in kleinen, interdisziplinär zusammengesetzten Gruppen, eine aktuelle Debatte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft systematisch aufzuarbeiten. Die Studierenden erlernen schrittweise in enger Interaktion mit den Lehrenden Zugänge und Werkzeuge zur Analyse von Debatten, wenden sie auf die jeweilige konkrete Debatte an und erhalten dazu Feedback.

Sie recherchieren Dokumente, identifizieren Positionen und führen Interviews mit Expert*innen. Sie lernen, ihre Analyseergebnisse in verschiedenen Formaten aufzubereiten, zu präsentieren und zu diskutieren. Angenommenes Ziel dabei ist, politische Entscheidungsträger*innen zu beraten und sie dabei zu unterstützen, die Verknüpfung von Wertepositionen und wissenschaftlicher Expertise in einer Debatte besser zu verstehen.

 

In dieser Lehrveranstaltung werden wir in drei Gruppen die Debatten rund um die Rolle von Kindern und Schulen in der CORONA-Pandemie, Wasserstoff-Autos, sowie die gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen von Glyphosat bearbeiten. Diese Fallbeispiele sind quasi "das Labor", in dem die Studierenden das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft untersuchen. Das Colony Collapse Disorder Fallbeispiel (Bienensterben) wird von den Lehrenden verwendet, um das Herangehen an ein konkretes Problem praktisch aufzuzeigen.

Eine Unterstützung durch einen Tutor ist gewährleistet und in den Ablauf des Semesters integriert.

Diese Lehrveranstaltung wird dieses Semester auf Deutsch und Englisch angeboten.

 

 

Was können Studierende in dieser Veranstaltung lernen?

  • Konzepte & Werkzeuge, um das Zusammenwirken von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft zu analysieren
  • Das Umsetzen der erworbenen Fähigkeiten in der Bearbeitung von konkreten Debatten an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft
  • Techniken zur Recherche, sowie zur Beurteilung & Aufbereitung von Informationen
  • Denken und Zusammenarbeiten in interdisziplinären Zusammenhängen
  • Die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen disziplinären Perspektive
  • Die Fähigkeit, hinter den Kontroversen liegende Wertespektren sowie die daraus resultierenden Verantwortungszusammenhänge zu identifizieren

 

 

Wie werden die Studierenden beurteilt?

Lektüre von Texten, aktive Mitarbeit in den Unterrichtseinheiten20%Individuell bewertet
Erarbeiten und Dokumentation einer Debatte in der Gruppe, anhand von einzelnen Arbeitsaufträgen 45%als Gruppenarbeit bewertet
Verfassen eines Beitrags für eine breitere Öffentlichkeit 20%Individuell bewertet
Führen eines Laborbuchs 15% Individuell bewertet

Es besteht Anwesenheitspflicht in allen Lehrveranstaltungseinheiten sowie in den Pflichttutorien.
Die Benotung der Lehrveranstaltung erfolgt auf Grundlage der getrennten Bewertung der verschiedenen Aufgaben auf einer Skala von 1-5

Wann und wo findet die Veranstaltung statt?

Termine & Ort

Die Infos finden Sie unter "Gruppe 2 - Termine" im u:find.

Wie viele Plätze gibt es und wie kann man sich anmelden?

Die Zahl der TeilnehmerInnen ist auf 15 begrenzt. Die Anmeldung für das Sommersemester 2021 erfolgt über u:space im Anmeldezeitraum vom 1.-21. Februar 2021.

Für welche Studienrichtungen kann die Veranstaltung absolviert werden?

Die Lehrveranstaltung kann für folgende Studienrichtungen absolviert werden:

  • Im Masterstudium Chemie kann diese Lehrveranstaltung in der Modulgruppe "Fachverbreiterung und Ergänzungsstudien“ eingebracht werden. Im Masterstudium Biologische Chemie kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul Fachverbreiterung“ eingebracht werden. Im Masterstudium Chemie und Technologie der Materialien kann diese Lehrveranstaltung im „Wahlmodul“ eingebracht werden. Bei allfälligen Rückfragen zu diesen drei Masterstudien der SPL 27 wenden Sie sich bitte an die Studienprogrammleitung (Lothar Brecker).
  • Im Masterstudium Internationale Entwicklung kann diese Lehrveranstaltung im Vertiefungsmodul 9 (VM9) eingebracht werden.
  • Im englischsprachigen Masterstudium Environmental Sciences ist die Lehrveranstaltung im Rahmen der 30 ECTS der "free choice courses" anrechenbar.
  • Im Masterstudium Erdwissenschaften sind 10 ECTS im Modul "Individuelle Vertiefung" (MA-ERD-17.0) anrechenbar.
  • Im Masterstudium Ernährungswissenschaften sind die 10 ECTS in den Modulen 9 und 10 (Praktische Erfahrungen I und II) für Internship und Guided Courses I und II sowie Praxis I und II absolvierbar. Abweichende Anrechnungen müssen vorab mit der SPL abgesprochen werden.
  • In den 3 molekularbiologisch orientierten Masterstudiengängen (Molekulare Biologie; Molekulare Mikrobiologie, Mikrobielle Ökologie und Immunbiologie; Genetik und Entwicklungsbiologie) können die 10 ECTS Punkte im Modul „Wissenschaftliche Zusatzqualifikationen für Biologen/Innen“ (=WZB) ohne Rückfragen an den SPL absolviert werden. Darüber hinaus sollte bei der SPL angefragt werden.
  • Im Diplomstudium Pharmazie ist die Lehrveranstaltung im Rahmen der "freien Wahlfächer" absolvierbar.
  • Im Curriculum des Masterstudiums Physik können die 10 ECTS im Wahlmodul "Interessen" absolviert werden.
  • Im Masterstudium Politikwissenschaft kann die Lehrveranstaltung im "M12 Wahlbereich" angerechnet werden.
  • Im Magisterstudium bzw. Masterstudium Publizistik und Kommunikationswissenschaft sind die 10 ECTS im Rahmen der "Freien Wahlfächer" bzw. im Rahmen des Moduls "Individuelle Vertiefung" zu absolvieren.
  • Für das Masterstudium Kultur- und Sozialanthropologie kann die Lehrveranstaltung im Rahmen des Interessensmoduls absolviert werden.
  • Für das Masterstudium der Soziologie ist die Lehrveranstaltung im Modul: MA F - Forschungsspezialisierung: 'Wissenschaftsforschung', oder MA F - Forschungsspezialisierung: 'Kultur und Gesellschaft' anrechenbar.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an die entsprechende Studienprogrammleitung